White Stars kehren mit „Flieg, weiße Taube“ zurück
Eigentlich war Schluss. Nach 60 Jahren auf der Bühne hatten sich die White Stars anlässlich ihres Jubiläums beim smago! Award Österreich & Südtirol 3.0 in der Hohenhaus Tenne in Schladming vom Live-Publikum verabschiedet. Dort erhielt die Grazer Formation zugleich den „Legenden Award“. Nun gibt es doch wieder ein musikalisches Lebenszeichen – und in diesem Fall darf tatsächlich von einer Rückkehr gesprochen werden. „Flieg, weiße Taube“ heißt der neue Titel der White Stars, der sich einem ungleich ernsteren Thema widmet als viele der Liebes- und Sehnsuchtsgeschichten aus dem umfangreichen Katalog der Gruppe. Es ist ein Lied für den Frieden. Die Botschaft formulieren die Musiker selbst sehr konkret: Nur gemeinsam könne eine Welt ohne Krieg und Gewalt geschaffen werden, eine Welt, die den Kindern von morgen gehört. Die weiße Taube als Friedenssymbol lässt beim Titel entsprechend wenig Raum für Missverständnisse. Nach dem erklärten Bühnenabschied hätten die White Stars ihre Geschichte problemlos als abgeschlossen betrachten können. Stattdessen nutzen sie ihren Namen und ihre lange Bekanntheit noch einmal für ein Thema, das ihnen offenbar wichtig genug ist, um die bereits gezogene Schlusslinie zumindest musikalisch wieder zu überschreiten. Angaben darüber, ob daraus auch eine dauerhafte Rückkehr auf die Bühne wird, liegen allerdings nicht vor. „Flieg, weiße Taube“ sollte deshalb zunächst genau als das betrachtet werden, was bekannt ist: ein neuer Song nach dem Abschied.
Dass die White Stars überhaupt auf eine derart lange Geschichte zurückblicken können, beginnt mit ihrer Gründung in Graz. Über sechs Jahrzehnte wurde die Band vor allem mit deutschsprachigem Schlager bekannt. Mehr als 500.000 verkaufte Tonträger sowie Gold- und Platinauszeichnungen dokumentieren den kommerziellen Teil dieser Laufbahn. Einen besonders bekannten Eintrag im Katalog bildet „Ich war nie ein Casanova“. Der von Michael Reischl und Walter Reischl geschriebene Titel erreichte Platz neun der österreichischen Single-Charts und wurde damit zum Top-10-Hit. Jahre später nahm Marc Pircher den Song neu auf und führte ihn einer weiteren Schlagergeneration zu. Auch der augenzwinkernde Beiname „Schnulzenkaiser“ gehört zur Geschichte der White Stars. Hinter dieser Bezeichnung steckt eine Band, deren Repertoire über lange Zeit stark von Liebe, Sehnsucht und Erinnerungen geprägt war. Vor diesem Hintergrund fällt „Flieg, weiße Taube“ thematisch auf. Statt einer persönlichen Beziehungsgeschichte formuliert der Titel eine gesellschaftliche Botschaft. Frieden, das Ende von Krieg und Gewalt sowie die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen bilden den konkreten Inhalt. Weitere Informationen über Komposition, Textautoren, beteiligte Musiker, Studio oder Arrangement sind in der vorliegenden Ankündigung nicht genannt. Über den Klang der Aufnahme lässt sich deshalb seriös wenig sagen. Der Anlass für das neue Lebenszeichen ist dagegen eindeutig: Die White Stars wollen mit dem Lied einen Friedensgedanken vermitteln.
Gerade der Zeitpunkt innerhalb der Bandgeschichte macht „Flieg, weiße Taube“ bemerkenswert. Ein Bühnenabschied nach 60 Jahren klingt normalerweise ziemlich endgültig – inklusive Blumen, Rückblick und der berechtigten Aussicht, künftig nicht mehr ständig Instrumentenkoffer durch Veranstaltungshallen tragen zu müssen. Die White Stars haben sich nun zumindest für eine weitere Veröffentlichung entschieden. Ob das Wort Comeback langfristig passt, muss sich noch zeigen; für diesen einzelnen Titel ist die Rückkehr nach dem offiziell vollzogenen Abschied jedoch real. Gleichzeitig verzichten die Musiker bei ihrer Botschaft auf komplizierte Umschreibungen. Gemeinsam gegen Krieg und Gewalt, mit Blick auf die Welt, die nachfolgende Generationen übernehmen werden: Das ist der erklärte Gedanke hinter „Flieg, weiße Taube“. Damit bekommt das neue Kapitel einen anderen Schwerpunkt als der bekannteste Hit „Ich war nie ein Casanova“. Zwischen beiden Liedern liegt nicht nur ein großer Teil der Geschichte des österreichischen Schlagers, sondern auch die Entwicklung einer Band, die mehr als 500.000 Tonträger verkauft und zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. Der „Legenden Award“ markierte schließlich den feierlichen Abschluss der Bühnenlaufbahn. Nun flattert die weiße Taube dazwischen. Ohne bekannte Hinweise auf eine neue Tournee oder weitere Pläne sollte man daraus noch keinen zweiten Bandfrühling konstruieren. Sicher ist nur: Ganz verstummt sind die White Stars nach ihrem Abschied nicht. Für „Flieg, weiße Taube“ haben sie das Schlusswort noch einmal vertagt.
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