Wolfgang Petry nimmt kein Blatt vor den Mund. „Gestern war Bronze, heute ist Silber, morgen ist Gold“ – diese Zeile aus seiner neuen Single „Morgen Gold“ bringt ziemlich genau auf den Punkt, worum es geht. Falten, graue Haare, die kleinen Wehwehchen – alles da, alles sichtbar, nichts beschönigt. Stattdessen dreht Petry die Perspektive einfach um. Was andere gern verstecken, wird hier zur Geschichte erklärt. Und zwar zu einer, auf die man mit einem Grinsen zurückblickt. Inhaltlich bleibt er damit nah an dem, was ihn schon lange begleitet: Alltag, Lebenszeit, persönliche Erfahrungen. Nur klingt das diesmal eine Spur direkter, vielleicht auch ein bisschen trockener im Ton. Der Song spart sich große Gesten und funktioniert gerade deshalb.
Musikalisch bewegt sich „Morgen Gold“ im Bereich Rockschlager, allerdings ohne viel Schnickschnack. Gitarren nach vorne, ein klarer Rhythmus, dazu Petrys markante Stimme, die man sofort erkennt – auch nach all den Jahren. Der Track wirkt bewusst unkompliziert arrangiert, eher wie ein Song, der live funktioniert, statt im Studio bis ins Detail ausproduziert zu werden. Genau das passt zum Inhalt. Kein Pathos, keine überladene Dramaturgie. Stattdessen ein Stück, das eher über Haltung kommt als über Effekte. Petry selbst kommentiert die Veröffentlichung mit einem Satz, der ziemlich gut in dieses Gesamtbild passt: Er wisse nicht, wohin die Reise noch gehe, aber solange die Stimme mitmacht, werde er weitersingen. Klingt nicht nach Abschied, eher nach jemandem, der sich keinen Druck mehr macht.
„Morgen Gold“ steht nicht für sich allein, sondern ist Teil eines größeren Projekts. Das Album „
Ein Leben lang“ erscheint rund um seinen 75. Geburtstag und markiert gleichzeitig ein rundes Bühnenjubiläum. Fünf Jahrzehnte unterwegs, unzählige Konzerte, ein Publikum, das ihm über die Jahre treu geblieben ist. Der Longplayer umfasst elf neue Songs sowie zwei Bonustitel und greift verschiedene Stationen seines Lebens auf. Dabei geht es nicht nur um Rückblick, sondern auch um den aktuellen Moment. Petry spricht selbst von Erinnerungen, die eng mit den Menschen verbunden sind, die ihn begleitet haben. Genau diese Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart zieht sich auch durch „Morgen Gold“. Kein nostalgischer Rückzug, sondern eher ein Zwischenstand. Einer, der klar macht: Die Geschichten sind noch nicht zu Ende erzählt.