Cover: Wolfi Huber - An Fisch (Bachata Remix)
6/8
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Wolfi Huber: „An Fisch“ zwischen Bayern und Mallorca

Wolfi Huber will einen Fisch. Eigentlich keine besonders gewagte Bestellung, wenn man gerade auf Mallorca am Meer sitzt. In „An Fisch (Bachata Remix)“ entwickelt sich genau dieser überschaubare Wunsch allerdings zu einer kulinarischen Rundfahrt über die Insel. Der bayerische Singer-Songwriter startet seine Suche am Ballermann und bekommt dort vieles geboten, nur nicht das, wonach ihm der Sinn steht. Weißbier? Vorhanden. Leberkäs? Natürlich. Schweinsbraten, Weißwürste und Fleischpflanzerl? Ebenfalls kein Problem. Fangfrischer Fisch? Fehlanzeige. Damit hat der Song seine Pointe früh gefunden und kann sie genüsslich ausspielen: Ein Bayer reist ans Mittelmeer und muss feststellen, dass ihm ausgerechnet dort bayerische Kost den Weg zum Fisch versperrt. Huber erzählt diese Urlaubsgeschichte im Dialekt und mit trockenem Humor. Aus der simplen Bestellung wird eine kleine Odyssee, bei der touristische Erwartungen und gastronomische Realität ziemlich schief aufeinandertreffen. Besonders schön ist die geografische Konsequenz der Geschichte. Der Protagonist gibt nicht einfach auf oder bestellt halt doch die Weißwurst. Fast 80 Kilometer geht es weiter bis Cala d’Or, ehe die Sache mit dem Fisch endlich aussichtsreicher wird. So viel Einsatz für ein Abendessen muss man erst einmal aufbringen. Gleichzeitig steckt hinter dem kulinarischen Dauerlauf eine Beobachtung, die Mallorca-Urlauber kennen dürften: Wer sich in touristischen Hochburgen bewegt, findet dort nicht zwingend das, was man landläufig mit der Küche einer Mittelmeerinsel verbindet. Bei Wolfi Huber wird daraus keine Urlaubskritik, sondern eine konkrete Geschichte mit Speisekarte, Strecke und einem hartnäckigen Hauptdarsteller.

Für den „Bachata Remix“ bekommt diese Erzählung einen musikalischen Dreh, der den Witz noch eine Ebene weiterträgt. Federico De Lenardis hat die Version neu arrangiert und produziert. Bayerischer Dialekt trifft dabei auf Bachata, also auf einen Musikstil mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik. Schon diese Kombination besitzt ihren eigenen Humor. Leberkäs und karibisch geprägter Tanzrhythmus begegnen sich schließlich nicht jeden Dienstag zum Mittagstisch. Gerade der Gegensatz ist Teil des Konzepts: Hubers bayerische Urlaubsgeschichte bleibt inhaltlich bestehen, während die neue Bearbeitung sie rhythmisch in eine völlig andere Richtung schiebt. Der Bachata-Groove macht aus der Fischsuche eine tanzbare Nummer, ohne dass dafür an der eigentlichen Pointe herumgeschraubt werden muss. Das funktioniert vor allem deshalb, weil der Text sehr konkrete Bilder anbietet. Ballermann, Weißbier, Schweinsbraten, Cala d’Or und der ersehnte Fisch ergeben eine Handlung, der man problemlos folgen kann. Kein nebulöses Urlaubsglück, sondern ein Mann mit Hunger und erstaunlicher Ausdauer. Der Dialekt gehört dabei fest zur Erzählweise. Schon das „koa Fisch“ bringt die Enttäuschung deutlich effizienter auf den Punkt als eine ausführliche gastronomische Beschwerde. De Lenardis’ Arrangement stellt diesem bayerischen Sprachwitz den Latin-Groove gegenüber. Genau dort sitzt der musikalische Gag des Remixes: Zwei kulturelle Ebenen, die auf dem Papier eher nach einer sehr eigenwilligen Tischreservierung klingen, landen gemeinsam in einem Song.

„An Fisch (Bachata Remix)“ lebt deshalb weniger von einer komplizierten Handlung als von den Details unterwegs. Wolfi Huber nimmt ein alltägliches Urlaubserlebnis und zieht es konsequent durch. Der Wunsch nach fangfrischem Fisch wird zum roten Faden einer Fahrt quer über Mallorca, während ausgerechnet vertraute bayerische Gerichte ständig dazwischenfunken. Das lässt Raum für Seitenhiebe auf touristische Gewohnheiten, ohne daraus eine große Abrechnung zu basteln. Schließlich ist der Protagonist selbst Teil des Missverständnisses: Er erwartet am Meer Fisch und landet zunächst bei einer Speisekarte, für die er streng genommen nicht hätte nach Mallorca fliegen müssen. Der Bachata-Remix verschärft diesen kulturellen Mischbetrieb noch einmal auf musikalischer Ebene. Bayern, Mallorca und die Dominikanische Republik teilen sich für ein paar Minuten denselben Tisch. Dass Federico De Lenardis die Bearbeitung neu arrangiert und produziert hat, ist deshalb mehr als eine technische Randnotiz. Die Bachata-Idee verändert den Rahmen der Geschichte und macht den Kontrast zum Dialekt zum Bestandteil der Nummer. Inhaltlich bleibt Huber dagegen bei seinem erstaunlich konkreten Problem. Keine komplizierte Botschaft, keine künstlich aufgeblasene Urlaubsgeschichte: Der Mann möchte schlicht „an Fisch“. Dafür fährt er fast 80 Kilometer bis Cala d’Or. Andere bringen aus Mallorca einen Sonnenbrand oder einen Kühlschrankmagneten mit. Wolfi Huber bringt aus der Suche nach einem Abendessen einen Bachata-Remix mit.

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