Wenn Franz Wüstenberg mit seiner neuen Band die Bühne betritt, wird schnell klar: Hier geht’s nicht um halbgare Indie-Romantik, sondern um ein ziemlich intensives Wechselspiel aus Druck, Gefühl und ordentlich Spielfreude. Nach Jahren als Frontmann von The O’Reillys and the Paddyhats startet er jetzt ein eigenes Kapitel – persönlicher, direkter und irgendwie auch mutiger. Das Debütalbum „The King’s Gambit“ klingt schon im Ansatz nach großem Kino, ohne sich in Genre-Schubladen einsperren zu lassen. Stattdessen: Folk trifft Rock, Melancholie trifft Energie, und alles wirkt, als hätte jemand bewusst Kontraste gesucht – und gefunden.
Die Grundlage für diesen Sound liegt nicht etwa in einem schicken Großstadtstudio, sondern ziemlich abgeschieden in einem alten Bruchsteinhaus. Genau dort hat Wüstenberg an neuen Ideen gefeilt, fernab von Lärm und Erwartungen. Diese Ruhe hört man den Songs an – aber eben auch den inneren Konflikt, von dem er selbst spricht. Es geht um Spannung, um Reibung, um Geschichten, die nicht geschniegelt daherkommen. Das Ergebnis wirkt ehrlich und manchmal fast schon verletzlich, ohne dabei an Durchschlagskraft zu verlieren. Diese Mischung macht den Vibe des Albums aus: nicht geschniegelt, sondern lebendig.
Musikalisch wird’s dabei alles andere als eintönig. Crunchige Gitarren treffen auf treibende Drums, während Geige, Mandoline und Klavier immer wieder für diese folkige Erdung sorgen. Darüber liegt Wüstenbergs markante Stimme, die mal rau, mal fast zerbrechlich klingt. Produziert wurde das Ganze im Studio Nord in Bremen, mit Leuten, die wissen, wie man Songs groß klingen lässt, ohne sie zu überladen. Am Ende stehen acht Tracks, die sich anfühlen wie kleine Filme – gemacht dafür, live nochmal ganz anders zu wirken. Und genau da dürfte das Projekt seine stärkste Seite zeigen: auf der Bühne, wenn alles zusammenkommt.