Mit „Bad Milk“ legt das Quintett nach – und macht direkt klar, dass hier nichts glattgebügelt wird. Nach dem Debüt „Sleaze“ und ersten Achtungserfolgen geht die Band jetzt einen Schritt weiter und zieht den Sound deutlich kantiger auf. Das zweite Album, gleichzeitig ihr Einstand bei dem Label Noisolution, fühlt sich an wie ein bewusster Bruch mit allem, was zu bequem werden könnte. Statt sich auf Genre-Schubladen festnageln zu lassen, bewegt sich die Platte irgendwo zwischen Indie, Alternative, Grunge und Punk – aber eben ohne sich wirklich festzulegen. Genau das macht den Reiz aus. „Bad Milk“ klingt wie ein wilder Mix aus Einflüssen, die nicht kopiert, sondern neu zusammengesetzt werden.
Musikalisch wird’s rougher als zuvor. Die Gitarren kratzen mehr, die Produktion wirkt roher, fast schon ungehobelt – und trotzdem bleibt Platz für eingängige Hooks. Dieses „crunchy, aber süß im Kern“-Gefühl zieht sich durch das ganze Album. Gerade der Frontmann bringt mit seiner Stimme diesen leicht schrägen, charismatischen Vibe rein, der sofort hängen bleibt. Man merkt schnell: Hier geht’s nicht um Perfektion, sondern um Energie. Und die ist vor allem live spürbar. Die Band funktioniert wie eine Einheit, fast schon wie eine kleine Kommune, die diesen Zusammenhalt direkt aufs Publikum überträgt. Kein distanziertes Abliefern, sondern eher ein gemeinsames Eskalieren im besten Sinne.
„Bad Milk“ ist damit weniger ein klassisches zweites Album und mehr so eine Art Statement. Lauter, direkter, kompromissloser – aber ohne die Songwriting-Qualität zu verlieren, die schon beim Debüt aufgefallen ist. Die Tracks bleiben im Kopf, auch wenn sie sich nicht immer sofort erschließen. Genau dieses Spannungsfeld aus Eingängigkeit und Sperrigkeit macht die Platte interessant. Eine Band, die weiß, wo sie herkommt, aber keinen Bock hat, stehen zu bleiben. Und genau deshalb funktioniert das hier so gut.