Cover: Yebba - Jean
6/8
Eigene Redaktionseinschätzung
Album

Jean

Yebba

Label: Sony Music
Kategorie: Pop | Pop
Veröffentlichung: 06.03.2026
Produkt erhältlich bei:

Yebba kündigt neues Album „Jean“ an

Nach zweieinhalb Jahren Funkstille meldet sich Yebba mit Ansage zurück – und zwar mit einem neuen Kapitel namens „Jean“. Ihr zweites Studioalbum erscheint am 6. März und fühlt sich schon jetzt an wie ein bewusst gesetzter Neuanfang. Die erste Single „Yellow Eyes“, produziert von John Rooney, gibt die Richtung vor: weniger Drama, mehr Klarheit, dafür jede Menge Gefühl zwischen den Zeilen. Wer Yebba kennt, weiß, dass sie nie aus sicherer Entfernung singt. Ihre Stimme kommt nicht geschniegelt daher, sondern mit Seele, mit Kanten, mit dieser besonderen Mischung aus Gospel-Wurzeln und moderner Offenheit. Schon mit ihrem Debüt „Dawn“ hatte sie gezeigt, dass sie Schmerz nicht versteckt, sondern in Songs verwandelt, die unter die Haut gehen. Jetzt klingt sie gefestigter – aber nicht glatt. Eher wie jemand, der gelernt hat, mit offenen Fragen zu leben.

„Jean“ ist ihr erstes Album seit „Dawn“ und wirkt intimer, selbstbewusster, fast schon geerdet. Benannt nach ihrer verstorbenen Großmutter, ist es weniger ein Abschied als eine Verneigung. Yebba kehrte für das Projekt zu ihren südlichen Wurzeln zurück, schrieb in Arkansas, baute sich ein Heimstudio in Dallas und feilte später in den legendären Electric Lady Studios in New York an den Details. Das hört man. Die Songs atmen, lassen Platz, drängen sich nicht auf. Statt stimmlicher Akrobatik setzt sie auf Zurückhaltung. „Ich wollte das Singen neu erleben“, sagt sie – und genau das passiert hier. Zwischen flüsternden Gitarren, warmen Band-Momenten und einem Hauch Country schimmert immer noch der Gospel durch, der sie geprägt hat. Ein bisschen Delta-Blues, etwas Folk, Indie-Vibes – Genregrenzen interessieren sie dabei kaum. Es geht mehr um Haltung als um Schubladen.

Inhaltlich dreht sich vieles um Vergebung, Glauben und die Erkenntnis, dass Erwachsensein kein Ziel, sondern ein Prozess ist. Yebba beschreibt diese Phase als Mischung aus Heilung und Desorientierung – relatable, ehrlich, ohne Pathos. „Yellow Eyes“ eröffnet dieses Album wie eine leise Tür: nostalgisch, aber nicht rückwärtsgewandt. Der Song hält Erinnerungen fest, ohne sich an ihnen festzuklammern. Genau darin liegt die Stärke von „Jean“. Es ist kein Traueralbum, sondern eine Sammlung von Songs über das Weitergehen. Über das Loslassen von Erwartungen. Über die Freiheit, sich selbst neu zu definieren. Auf der Bühne dürfte das Ganze noch einmal wachsen – mit Band, mit Raum für leise Momente, mit diesem spirituellen Unterton, der bei Yebba nie wie Show wirkt, sondern wie Überzeugung. „Jean“ ist keine laute Ansage, sondern ein stilles Statement. Und manchmal trifft genau das am stärksten.