Cover: YOUMAN - Golden Days
7/8
mix1 Bewertung

YOUMAN kombiniert House und Akkordeon in „Golden Days“

Ein Akkordeon im Melodic House klingt zunächst ein bisschen so, als hätte jemand beim Instrumentenkoffer danebengegriffen. Bei YOUMAN gehört genau dieser vermeintliche Stilbruch längst zum eigenen Klangbild. Für „Golden Days“ kombiniert der Göttinger Producer warme Synth-Flächen, funkige E-Gitarren und sein erstes Instrument: das Akkordeon. Elektronik und organische Instrumente laufen bei ihm nicht in getrennten Abteilungen. Mal übernimmt das Akkordeon diese Rolle, mal taucht ein Cello im Arrangement auf. Entscheidend ist der Kontrast zum elektronischen Fundament. „Golden Days“ bewegt sich zwischen Melodic und Deep House und verzichtet darauf, alles einem großen Höhepunkt unterzuordnen. Stattdessen arbeitet der Track mit Groove, räumlichen Flächen und dem Wechsel zwischen elektronischen und akustischen Klangfarben. Das passt zum sommerlichen Grundgedanken des Stücks: Sonne, Erinnerungen und ein Beat, der Bewegung zulässt, ohne permanent nach Aufmerksamkeit zu rufen. Gerade das Akkordeon ist dabei mehr als ein schräges Detail fürs Pressefoto. Weil YOUMAN auf diesem Instrument ursprünglich mit dem Musikmachen begann, landet ein Stück seiner eigenen musikalischen Vorgeschichte mitten in einer elektronischen Produktion. Die funkigen Gitarren ergänzen diese organische Seite, während Synths und House-Rhythmus den Rahmen abstecken. Das Ergebnis lässt sich klar im House verorten, klingt durch seine Instrumentierung allerdings nicht nach dem üblichen Baukasten.

„Golden Days“ ist bereits der zehnte Titel von YOUMAN, der auf Dance-Charts.de auftaucht. Parallel dazu hat sich die Reichweite des Independent-Producers deutlich entwickelt. Erstmals gelangen ihm Platzierungen in den iTunes-Charts, darunter Rang 13 in Singapur und der Schweiz sowie Platz 67 in Italien. Auch beim Streaming wurde eine neue Marke erreicht: YOUMAN überschritt eine Million Gesamt-Streams auf Spotify und kommt inzwischen auf weit über 100.000 monatliche Hörer. Für einen Künstler ohne Labelstruktur sind vor allem die geografischen Daten interessant. Sein Publikum verteilt sich längst nicht nur auf Deutschland. Zu den größten Märkten zählen die USA, Deutschland, Brasilien und Großbritannien. Laut Chartmetric befindet sich YOUMAN weltweit unter den oberen rund zwei Prozent der von der Analyseplattform erfassten Künstler. Solche Zahlen erzählen natürlich nicht automatisch, wie ein Track klingt. Sie geben aber ziemlich konkrete Hinweise darauf, wie weit die Musik inzwischen herumkommt. Dazu passen fast 1.300 dokumentierte Radio-Einsätze in mehr als 20 Ländern, die über den Airplay-Monitor WARM erfasst wurden. Streaming ist also nicht der einzige Kanal, über den YOUMAN Hörer erreicht. Auffällig ist außerdem die Nutzung durch sein aktiveres Publikum: Diese Hörer spielen seine Musik im Durchschnitt mehr als sieben Mal. Zwischen internationalen iTunes-Platzierungen, Radio-Airplay und sechsstelligen monatlichen Spotify-Hörerzahlen ist aus dem Independent-Projekt damit längst mehr geworden als eine Reihe einzelner Playlist-Treffer.

Bei all diesen Zahlen bleibt „Golden Days“ musikalisch erfreulich konkret. Akkordeon, E-Gitarre und Synth-Flächen bilden keine zufällig zusammengewürfelte Instrumenten-WG, sondern greifen eine Arbeitsweise auf, die sich durch YOUMANs Produktionen zieht: elektronische Arrangements bekommen durch akustische Instrumente einen Gegenpol. Das Akkordeon besitzt hier zusätzlich biografischen Bezug, weil es am Anfang seiner musikalischen Entwicklung stand. Gerade im Melodic- und Deep-House-Kontext fällt diese Kombination auf, ohne dass der Track deshalb sein Genre verlassen muss. Der Groove bleibt tanzbar, die Flächen öffnen Raum, die Gitarren bringen Funk-Anteile hinein. Statt eines auf maximale Wirkung getrimmten Aufbaus lebt das Stück von diesen Details und seinem entspannten Tempo-Gefühl. Damit passt „Golden Days“ ziemlich genau zu jenem Moment des Sommers, an dem niemand mehr einen minutiösen Plan braucht. Der Track muss auch keinen erfinden. Für YOUMAN kommt die Veröffentlichung gleichzeitig in einer Phase, in der sich sein internationales Publikum messbar vergrößert hat. Mehr als eine Million Spotify-Streams, weit über 100.000 monatliche Hörer, Chartplatzierungen in mehreren Ländern und Radio-Einsätze auf verschiedenen Kontinenten bilden den statistischen Hintergrund. Musikalisch erzählt das Akkordeon allerdings die interessantere Geschichte. Ausgerechnet jenes Instrument, das in vielen House-Produktionen vermutlich nicht einmal durch die Studiotür käme, hat bei YOUMAN einen festen Platz gefunden. In „Golden Days“ darf es bleiben – und die E-Gitarre hat offenbar auch schon einen Schlüssel.
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