Zetaphunk zwischen Urban und Dance: „When I Hit The Club“
Zetaphunk kennt House, Disco und Funk ziemlich gut. Bei „When I Hit The Club“ bleibt der italienische DJ und Produzent allerdings nicht in diesem vertrauten Dreieck, sondern baut den Track deutlich breiter auf. Dance und Pop treffen auf Urban- und R&B-Einflüsse, Hip-Hop-Anleihen sowie elektronische Produktion. Gerade der Bezug zur Urban Music der frühen 2000er-Jahre fällt innerhalb dieser Kombination auf. Zetaphunk übernimmt deren Energie und rhythmische Ideen, ohne den Track als Retro-Nummer anzulegen. Die Produktion bleibt klar auf heutige Clubs zugeschnitten. Synkopierte Rhythmen bestimmen den Groove, darunter arbeiten markante Basslines. Dazu kommen weibliche Vocals und eine kompakte Hook. Statt einzelne Genres sauber voneinander zu trennen, lässt die Nummer deren typische Elemente ineinandergreifen. Das unterscheidet sie auch von Zetaphunks bisherigen Veröffentlichungen, bei denen House, Disco und Funk wesentlich stärker den Rahmen vorgaben. „When I Hit The Club“ ist damit weniger ein radikaler Neustart als ein bewusster Ausflug in Bereiche, die bislang nicht so deutlich mit seinem Namen verbunden waren. Und der Titel macht keine große Geheimniskrämerei daraus, wo das Ganze am Ende funktionieren soll: auf dem Dancefloor.
Der Schritt kommt nach mehreren Produktionen und Neuinterpretationen bekannter Songs. Zetaphunk beschäftigte sich unter anderem mit Musik von Gloria Gaynor und nahm sich zuletzt Stevie Wonders „Another Star“ vor. Seine Version des Stücks fand Unterstützung in europäischen Clubcharts. Auch bei DJs ist seine Arbeit bereits herumgereicht worden: David Penn, Sandy Rivera, DJ Disciple, David Morales und Mark Knight gehören laut den vorliegenden Angaben zu den Namen, die Produktionen von Zetaphunk unterstützt haben. Bei „When I Hit The Club“ verschiebt sich nun der musikalische Schwerpunkt. Besonders die Rhythmik spielt eine tragende Rolle. Die synkopierte Anlage gibt dem Track mehr Urban-Charakter, während Bass und elektronische Produktion die Verbindung zum Club herstellen. Die weibliche Stimme bildet dazu den melodischen Gegenpol. Interessant ist weniger die bloße Zahl der genannten Genres als deren Aufteilung innerhalb des Arrangements. Dance dient als Grundgerüst, R&B und Urban Music prägen Vocals und Rhythmusgefühl, Pop findet sich in der direkten Hook wieder. Hip-Hop-Einflüsse ergänzen das rhythmische Vokabular. Das kann auf dem Papier schnell nach musikalischem Mischwarenladen klingen. Entscheidend ist deshalb, dass Zetaphunk die einzelnen Zutaten nicht als Checkliste behandelt, sondern aus seiner bisherigen Arbeit mit Clubmusik heraus einordnet.
Dafür bringt der Italiener einen Hintergrund mit, der über das klassische DJ-Pult hinausgeht. Zetaphunk ist klassisch ausgebildeter Pianist, arbeitet als Komponist und Produzent und verfügt über langjährige Studio- und Cluberfahrung. Diese Ausbildung ist bei einem Stück wie „When I Hit The Club“ vor allem deshalb relevant, weil mehrere rhythmische und melodische Ebenen zusammengebracht werden müssen, ohne dass der Track seinen Fokus verliert. Gleichzeitig entfernt er sich damit ein Stück von den House-, Disco- und Funk-Produktionen, über die er international Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Referenz an die frühen 2000er ist ebenfalls nachvollziehbar gewählt: In dieser Phase lagen R&B, Hip-Hop, Pop und elektronische Clubproduktionen oft näher beieinander, als es starre Genrebezeichnungen vermuten lassen. Genau in diesem Zwischenraum bewegt sich auch die Single. Statt einen bekannten Klassiker neu zu bearbeiten, arbeitet Zetaphunk diesmal mit einer eigenen Crossover-Idee und verändert damit die Perspektive auf seine Produktion. „When I Hit The Club“ bleibt für den Dancefloor gedacht, nimmt dorthin aber anderes Gepäck mit als viele seiner bisherigen Tracks: synkopierte Beats, Urban-Einflüsse, weiblichen Gesang, eine prägnante Hook und einen deutlichen Blick auf den R&B- und Hip-Hop-geprägten Clubsound der frühen 2000er. Wer Zetaphunk bislang hauptsächlich mit House, Disco oder Funk verbunden hat, bekommt hier also eine andere Seite seiner Studioarbeit zu hören.