Die Geschichte beginnt kurios: Ein weltberühmter Musiker versteckt sich mit seiner Frau auf einer Schaffarm in Schottland. Kein PR-Gag, sondern echter Rückzug – von Paparazzi, Plattenbossen und dem Druck, nach den Beatles sofort das nächste Meisterwerk abzuliefern. Was dann folgt, liest sich wie ein Roadmovie: spontane Uni-Gigs, Tourneen im Doppeldeckerbus, ein Überfall in Lagos und Hits wie Band on the Run, die noch heute im Radio laufen. Wings war mehr als eine Band – es war ein Familienprojekt, ein musikalisches Experimentierlabor, eine rebellische Antwort auf den Starrummel der 60er.
Wer Ted Widmers Buch aufschlägt, bekommt mehr als eine klassische Musikerbiografie. Es ist ein Fenster in eine Ära, in der Schlaghosen, Idealismus und DIY-Spirit noch zusammengehörten. Interviews mit McCartney, seiner Familie und Weggefährten machen den Sound der Zeit fast hörbar – und geben Einblicke in eine Künstlerseele, die nie stehen blieb. Ob Fan oder Neuling: „Wings“ ist ein lesenswerter Rückblick auf eine Band, die oft unterschätzt wurde, obwohl sie eigentlich das Unmögliche geschafft hat – ein zweites Kapitel nach den Beatles zu schreiben, das sich hören lassen kann.