Buchtipp: Rap aus Deutschland – Mehr als nur Beats und Bars
Deutschrap ist kein Hype. Es ist Herz, Haltung und Heimat für Millionen. Jan Wehn, selbst tief drin im Game, widmet sich in seinem neuen Buch der Geschichte dieses Sounds, der längst nicht mehr nur aus Kellerstudios knallt, sondern Hallen füllt, Charts sprengt und Biografien prägt. Statt sich in Nostalgie zu verlieren, zoomt er sich durch 30 Jahre Musikgeschichte – von den ersten Reimen über trockene Breakbeats bis hin zu 808-lastigen Trap-Hymnen. Mit Fragen wie „Was macht ein gutes Intro?“ oder „Müssen Fortsetzungen sein?“ geht er auf Spurensuche – und liefert dabei Antworten, die sowohl Nerds als auch Neulinge abholen.Er macht deutlich: Deutschrap ist kein Ding von gestern – es ist ein sich ständig weiterdrehendes Karussell aus neuen Stimmen, Sounds und Sichtweisen. Wehn holt die OGs wie Die Fantastischen Vier, Kool Savas oder Cora E. genauso ins Rampenlicht wie aktuelle Größen von Shirin David bis Haiyti. Und dabei geht es ihm nicht nur um Hits und Punchlines, sondern auch um die Menschen dahinter: ihre Struggles, Visionen und den ganz eigenen Blick auf die Welt. Mit feinem Gespür für Anekdoten und einer gehörigen Portion Insiderwissen gelingt ihm eine echte Liebeserklärung an ein Genre, das oft belächelt, aber selten wirklich verstanden wird.
Ob man selbst mit Aggro Berlin groß geworden ist, zum ersten Mal „MfG“ im Radio gehört hat oder gerade erst mit Luciano eingestiegen ist – dieses Buch ist Pflichtlektüre. Es zeigt, dass Deutschrap viel mehr ist als dicke Karren und dicke Eier. Es ist Kultur, Chronik und Chaos in Reimform. Und dank Jan Wehn jetzt auch ein ziemlich unterhaltsames Stück Literatur. Kein Lexikon, sondern ein liebevoll kuratierter Rückblick mit Zukunftsblick.