Die bewegende Biografie von Frei.Wilds Philipp Burger
Philipp Burger, Frontmann der Band Frei.Wild, bleibt eine Reizfigur. Für die einen ein mutiger Querdenker mit Herz, für die anderen ein nicht ganz entnazifizierter Provokateur. In seiner Biografie rechnet Burger mit sich selbst ab – und zeigt Seiten, die viele so wohl nicht erwartet hätten. Offen spricht er über seine Jugend in der rechten Szene Südtirols, die er heute als „schlimmste Zeit meines Lebens“ bezeichnet. Kein Verschweigen, kein Glätten, sondern ein schonungsloser Blick zurück auf einen Weg, der so auch hätte völlig anders enden können. Statt Ausflüchte zu suchen, stellt er sich den Fragen, die in der Öffentlichkeit oft lieber vorschnell beantwortet werden – mit einem Etikett, das nicht mehr abgeht.Burger nimmt seine Leser mit in die Abgründe, aber auch in die Höhen seines Lebens. Was bringt jemanden aus einer gebildeten Familie dazu, sich der Skinhead-Szene anzuschließen? Und wie gelingt der Ausstieg? Wer sich auf dieses Buch einlässt, bekommt keine Heldenpose serviert, sondern das Porträt eines Mannes, der sich seinen Dämonen gestellt hat – im Innen wie im Außen. Dabei geht es nicht nur um Politik, Schuld und Buße. Sondern auch um Freiheit, Vatersein, Landwirtschaft und das große Wort „Heimat“, das Burger mit Leben füllt, statt es zur Floskel verkommen zu lassen.
Das Ergebnis ist eine Biografie, die irgendwo zwischen Wut, Wildheit und Weitblick pendelt. Burger erzählt, wie er seine Ideale hinterfragt hat, wie er mit Vorverurteilungen lebt – und warum er trotzdem an einen offenen Dialog glaubt. Authentisch? Ja. Perfekt? Sicher nicht. Aber genau das macht dieses Buch so lesenswert: Es zeigt, wie kompliziert ein Mensch sein darf. Und dass der Weg zur Veränderung selten geradeaus führt. Ein Buch für alle, die lieber nachfragen, als vorschnell zu verurteilen.