Gerade darin liegt der besondere Reiz von „The Third Eye“. George Harrison richtet seine Kamera nicht auf Popstars, sondern auf Menschen, mit denen er Tag für Tag unterwegs war. John Lennon, Paul McCartney und Ringo Starr erscheinen konzentriert, albern, nachdenklich oder sichtbar erschöpft. Viele Bilder wirken spontan, manche fast beiläufig. Genau das unterscheidet sie von den bekannten Fotografien aus Magazinen oder Agenturarchiven. Harrison experimentierte außerdem mit Perspektiven und fotografierte sich immer wieder selbst. Lange bevor Selbstporträts mit dem Smartphone selbstverständlich wurden, nutzte er die Kamera spielerisch und als Werkzeug, um seine Umgebung festzuhalten. Seine Aufnahmen wirken neugierig und aufmerksam, oft mit einem feinen Sinn für Humor. Sie erzählen nicht die Geschichte eines weltweiten Phänomens aus der Distanz, sondern aus der Mitte des Geschehens. Dadurch entsteht ein Eindruck vom Alltag einer Band, die permanent zwischen Hotel, Studio, Flughafen und Bühne unterwegs war und deren Leben sich innerhalb weniger Jahre vollständig veränderte.
Ergänzt wird der Band durch einen Essay des vielfach ausgezeichneten irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Seine Texte ordnen die Fotografien ein und erweitern sie um historische und persönliche Hintergründe. „The Third Eye“ ist dadurch weit mehr als eine Sammlung seltener Beatles-Bilder. Das Buch dokumentiert eine Freundschaft ebenso wie eine Zeit, in der Popmusik und Jugendkultur weltweit neue Maßstäbe setzten. Gleichzeitig entsteht das Porträt eines Künstlers, der nicht nur Teil dieser Entwicklung war, sondern sie mit der Kamera aus einer Perspektive festhielt, die Außenstehenden verschlossen blieb. Die Fotografien zeigen kleine Gesten, ruhige Augenblicke und Szenen zwischen den großen Schlagzeilen. Gerade diese Nähe macht das Archiv so besonders. Wer die Geschichte der Beatles kennt, entdeckt zahlreiche bisher unbekannte Eindrücke. Wer sich erstmals mit der Band beschäftigt, erhält einen ungewöhnlichen Zugang zu einer Epoche, die bis heute nachwirkt. „The Third Eye“ öffnet damit ein Kapitel der Beatles-Geschichte, das jahrzehntelang im privaten Archiv von George Harrison verborgen geblieben ist.