Der Bogen reicht von den frühen Chansons bis zu den Nr.-1-Alben der Gegenwart. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen sich Musikgeschmack, Medien und Popkultur mehrfach grundlegend verändert haben. Mey blieb dennoch als Sänger und Erzähler erkennbar. Kobold beschäftigt sich genau mit dieser Kontinuität. Nicht Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist bildet den roten Faden, sondern Meys Entscheidung, den eigenen Kurs zu verfolgen. Seine Lieder wurden für viele Menschen zu langjährigen Begleitern – nicht nur wegen der Melodien, sondern wegen der Geschichten, Beobachtungen und Gedanken, die darin Platz finden. Das Buch geht dieser Verbindung zwischen Künstler, Werk und Publikum nach.
Dabei erscheint Mey nicht einfach als Musiker mit bemerkenswerter Karrierebilanz. Kobold betrachtet auch die Haltung hinter dem Werk. „Mey ist immer wiedererkennbar geblieben – in seinen Liedern, seiner Haltung, seiner Menschenfreundlichkeit“, schreibt der Autor. Dieser Satz fasst einen wesentlichen Gedanken des Porträts zusammen. Mehr als sechzig Bühnenjahre werden hier nicht allein als Ausdauerleistung verstanden. Sie erzählen ebenso von Konsequenz und dem Mut, Entscheidungen unabhängig von kurzfristigen Erwartungen zu treffen. „Ich singe um mein Leben“ versucht deshalb, die Person Reinhard Mey über dessen künstlerischen Weg verständlich zu machen – mit den Liedern als wichtigstem Zugang.
Für langjährige Hörer dürfte gerade der Blick hinter vertraute Songs spannend sein. Wer Mey bislang hauptsächlich über einzelne bekannte Stücke kennt, erhält dagegen einen Überblick über die Dimension seines Schaffens. Oliver Kobold zeichnet den Weg vom jungen Chansonnier bis zum erfolgreichen Liedermacher der Gegenwart nach und untersucht, was über all diese Jahre konstant geblieben ist. So wird „Ich singe um mein Leben“ zur Würdigung einer Karriere, deren bemerkenswerteste Zahl vielleicht gar nicht in Verkaufsstatistiken steckt: mehr als sechzig Jahre, in denen Reinhard Mey seine Geschichten auf seine eigene Art erzählt hat.