Bei Iron Maiden wurde Nicko McBrain schließlich zu einem festen Bestandteil des Bandsounds. Sein präzises Schlagzeugspiel und seine Bühnenpräsenz prägten die Musik der Gruppe über Jahrzehnte mit. Wer McBrain allerdings nur auf seine Arbeit hinter dem Drumkit reduziert, bekommt in „Hello Boys and Girls!“ offenbar nur einen Teil der Geschichte. Die Autobiografie nimmt auch das Leben abseits der eigentlichen Auftritte ins Visier. Backstage-Geschichten, Anekdoten und persönliche Erinnerungen gehören genauso dazu wie Einblicke in den Alltag eines Musikers, der einen beträchtlichen Teil seines Berufslebens mit einer der bekanntesten Heavy-Metal-Bands verbracht hat. McBrains typischer Humor spielt dabei eine zentrale Rolle. Statt seine Laufbahn nachträglich auf Hochglanz zu polieren, erzählt er auch von den kuriosen und komischen Momenten. Das passt zu einem Musiker, dessen Persönlichkeit auf der Bühne und außerhalb des Rampenlichts seit jeher Teil seiner öffentlichen Wahrnehmung war. Interessant ist dabei vor allem die Perspektive: Hier erzählt kein außenstehender Chronist die Geschichte von Iron Maiden. McBrain war selbst mittendrin, saß bei Konzerten wenige Meter hinter seinen Bandkollegen und erlebte den Betrieb hinter der Bühne aus nächster Nähe. Näher an der Quelle wird es bei vielen dieser Geschichten kaum.
Genau daraus zieht „Hello Boys and Girls!“ seinen Stoff. McBrain blickt auf ein Leben zurück, in dem Studioarbeit, Tourneen, Bandalltag und Heavy Metal über lange Zeit eng miteinander verbunden waren. Neben den großen Stationen bekommen deshalb jene Episoden Platz, die in klassischen Bandchroniken schnell untergehen: Situationen hinter der Bühne, persönliche Erlebnisse und Geschichten, die erst mit etwas Abstand ihre ganze Komik entfalten. Gleichzeitig bleibt Raum für Offenheit. Die Autobiografie beschränkt sich laut Beschreibung nicht auf die angenehmen Kapitel, sondern lässt McBrain ohne große Schonhaltung auf sein eigenes Leben schauen. Für Iron-Maiden-Fans liegt der Reiz damit auf der Hand. Sie bekommen die Geschichte nicht aus der üblichen Frontmann-Perspektive erzählt, sondern vom Mann am Schlagzeug – jenem Platz also, von dem aus McBrain das Innenleben der Band über Jahrzehnte beobachten konnte. Dazu kommt seine Zeit vor Iron Maiden, die einen Teil seiner musikalischen Entwicklung nachvollziehbar macht. Streetwalker, Pat Travers und Trust waren keine bloßen Fußnoten vor dem vermeintlich „richtigen“ Job, sondern Stationen eines Musikers, der sich sein Handwerk im Londoner Studio- und Livebetrieb erarbeitet hatte. „Hello Boys and Girls!“ bündelt diese Erfahrungen zu einer persönlichen Rückschau mit Backstage-Einblicken, Humor und Geschichten aus einem Musikerleben, bei dem die nächste Pointe offenbar nie allzu weit vom nächsten Schlagzeugfill entfernt war.