Jimmy Somerville – ARTE zeigt bewegende Doku
Jimmy Somerville ist eine dieser Pop-Ikonen, die mehr bewegt haben als nur Tanzbeine. Mit „Smalltown Boy“ lieferte er 1984 nicht einfach einen Ohrwurm ab – er war plötzlich die Stimme all jener, die sonst keine hatten. Ein schmaler junger Mann mit glasklarem Falsett, der über Ausgrenzung, Schmerz und das Weggehen sang. Und das zur Hochphase des Synthie-Pop – als Neonfarben und Schulterpolster dominierten, aber queere Themen kaum Gehör fanden. Somerville sang sich nicht nur in die Charts, sondern in die Herzen jener, die endlich jemanden auf der Bühne sahen, der sie meinte – ohne Kompromisse, ohne Versteckspiel.Ob mit Bronski Beat, den Communards oder solo – seine Songs waren immer mehr als nur Musik zum Mitwippen. Sie waren Statements, Mutmacher, manchmal schmerzhafte Erinnerungen an eine Zeit, in der „anders sein“ mit echtem Risiko verbunden war. Die Clubnächte, in denen seine Lieder liefen, waren Zufluchtsorte – dort durfte man kurz vergessen, dass draußen nicht jeder Kuss sicher war. Und doch blieb Jimmy Somerville nie bei der reinen Flucht in den Beat stehen. Er stellte sich – musikalisch und öffentlich – dem, was viele lieber ausgeblendet hätten: Diskriminierung, AIDS, die Enge der Herkunft und die Härte des Andersseins.