„KITKATCLUB - KINKS OF BERLIN“ im Kino

Meldung vom 25.08.2026

Film / Kino - News

Foto zur News „KITKATCLUB - KINKS OF BERLIN“ im Kino vom 25.08.2026
© farbfilm verleih
Wer den Berliner KitKatClub nur als Adresse für freizügige Nächte und extravagante Outfits kennt, bekommt in Philipp Fusseneggers Kinodokumentarfilm „KITKATCLUB - KINKS OF BERLIN“ eine deutlich größere Welt zu sehen. Der Film taucht in den Club ein, bleibt aber nicht bei Performances, Sex und nächtlichem Exzess hängen. Stattdessen folgt Fussenegger unterschiedlichen Menschen, deren Geschichten sich rund um diesen Ort bewegen. Einer davon ist Tim alias Raven Van Krueger. Er will als Drag-Künstler durchstarten und gehört zu den Figuren, über die der Film Fragen nach Identität und Selbstdarstellung konkret an einzelne Biografien bindet. Elisa wiederum entdeckt gemeinsam mit ihren Freunden eine neue Sexualität. Daneben begleitet die Dokumentation ein BDSM-Paar, das seine Liebe öffentlich lebt, sowie ein Dog-Play-Duo, bei dem Stabilität und Exzess keinen Widerspruch bilden. Der Club wird dadurch weniger zur bloßen Kulisse als zum gemeinsamen Schauplatz sehr verschiedener Lebensentwürfe. Genau diese Unterschiede geben dem Film seine Struktur: Menschen kommen aus unterschiedlichen Gründen hierher, suchen Nähe, Freiheit oder einen Raum für Seiten ihrer Persönlichkeit, die anderswo womöglich weniger selbstverständlich sichtbar werden. „KITKATCLUB - KINKS OF BERLIN“ bleibt allerdings nicht ausschließlich auf der Tanzfläche. Gespräche mit Vätern gehören ebenso zum Material wie körperliche Begegnungen und Performances. Das Private trifft auf die Berliner Nacht, Familiengeschichte auf Clubkultur. So entsteht das Porträt eines Ortes über jene Menschen, die ihn nutzen, prägen und teilweise schon seit vielen Jahren begleiten.

Dass Freiheit nicht automatisch bedeutet, alles sei unkompliziert, gehört ebenfalls zum Film. Fussenegger nimmt Kämpfe um Konsens in den Blick und rückt damit einen Aspekt ins Bild, der beim Thema sexuelle Selbstbestimmung schnell hinter schrillen Oberflächen verschwindet. Grenzen müssen verhandelt werden. Nähe braucht Kommunikation. Parallel dazu erzählt die Dokumentation von David, der versucht, sich aus einer Sucht zurückzukämpfen. Seine Geschichte bringt eine andere Seite des Nachtlebens ins Geschehen, ohne dass der Club dadurch auf eine einzige Bedeutung festgelegt wird. Gerade diese Gegensätze ziehen sich durch das Material: Stabilität existiert neben Exzess, öffentliche Sexualität neben sehr persönlichen Gesprächen, Selbstdarstellung neben Momenten, in denen wenig inszeniert wirkt. Eine weitere zentrale Figur ist Clubgründer Simon. Er scheint wie aus der Zeit gefallen und gehört zu jener Generation, die das Fundament des KitKatClubs gelegt hat. Über ihn und andere Menschen aus diesem Umfeld berührt der Film zwangsläufig auch die Frage, wie sich eine Clubkultur über Jahre verändert, ohne daraus eine einfache Früher-war-alles-besser-Geschichte zu bauen. Die Ausgangslage ist ohnehin komplexer. Ein Club besteht nicht nur aus Musik, Tür, Bar und Tanzfläche. Er lebt von Regeln, Codes, Begegnungen und den Leuten, die sich darin bewegen. Beim KitKatClub kommt eine besonders offene Auseinandersetzung mit Körper, Sexualität und persönlichen Grenzen hinzu. Fusseneggers Dokumentation nähert sich genau diesem Geflecht über einzelne Lebensgeschichten. Das verhindert zumindest schon im Ansatz jene distanzierte Zoo-Perspektive, die bei Filmen über Subkulturen schnell unangenehm werden kann: Hier sind Menschen nicht bloß dekoratives Nachtleben-Personal, sondern tragen ihre eigenen Konflikte, Beziehungen und Ziele in die Erzählung.

Anzeige
Der vollständige Titel „KITKATCLUB - KINKS OF BERLIN“ benennt ziemlich klar, wohin die Kamera geht, doch die Themen reichen über den Club hinaus. Freiheit, Nähe, Identität, Sex und das Verlernen von Scham bilden den Rahmen. Entscheidend sind dabei die konkreten Situationen: Raven Van Kruegers Weg als Drag-Künstler, Elisas sexuelle Entdeckungen mit Freunden, die öffentliche Beziehung des BDSM-Paares, das Dog-Play-Duo zwischen Halt und Grenzerfahrung, Davids Kampf gegen die Sucht und Simon als Verbindung zu den Anfängen des Clubs. Hinzu kommen Performances und Begegnungen zwischen Menschen, die sich körperlich nahekommen, während an anderer Stelle Gespräche mit Vätern eine völlig andere Form von Nähe verhandeln. Dadurch bewegt sich der Kinodokumentarfilm zwischen Nachtleben und Alltag, zwischen bewusst gewählter Öffentlichkeit und privaten Momenten. Ungeschönt und zugleich poetisch lautet der Anspruch der Beschreibung – eine Kombination, die bei diesem Stoff einiges auszubalancieren hat. Schließlich lässt sich ein Ort wie der KitKatClub leicht auf nackte Haut, Fetisch und Berliner Nachtleben reduzieren. Der Film wählt einen breiteren Zugang. Sexualität erscheint als Teil der porträtierten Lebensrealitäten, Konsens als konkrete Aushandlung und Scham als etwas, das Menschen gelernt haben und möglicherweise wieder verlernen können. Gleichzeitig bleiben Brüche sichtbar. Sucht verschwindet nicht, nur weil Freiheit großgeschrieben wird. Beziehungen werden nicht automatisch einfach, weil Menschen offen über ihre Bedürfnisse sprechen. Und hinter einer Drag-Persona steckt weiterhin jemand mit Plänen, Arbeit und dem Wunsch, seinen eigenen Platz zu finden. Genau aus solchen Einzelgeschichten baut Philipp Fussenegger sein Bild des KitKatClubs. Wer also eine reine Chronik der Berliner Clubinstitution erwartet, bekommt offenbar etwas anderes: einen Dokumentarfilm über Menschen, die innerhalb und außerhalb dieser Räume mit Körpern, Grenzen, Beziehungen und Selbstbildern umgehen. Der Club ist ihr Treffpunkt. Die eigentlichen Geschichten beginnen dort, wo die Garderobe längst abgegeben ist.

Kinostart: 10.09.2026
Länge: 100 min
Quelle: mix1 · Kurz-Url: https://www.mix1.de/n95514


Count Pix
Anzeige

Musik-Newsletter