Line Dance in Deutschland? So lebt der Trend in Marwitz
Line Dance ist übrigens kein wilder Freestyle mit Cowboyhut, sondern hat mehr Ordnung als ’ne deutsche Steuererklärung: Alle tanzen in Reihen, die Schritte sind synchron, und wenn du neu bist, merkst du schnell – hier geht’s nicht um Improvisation, sondern um Teamgeist, Taktgefühl und ein bisschen Hirn-Jogging. Die Moves werden vorher geübt, meistens zu Countrymusik, aber auch mal zu Popsongs mit Western-Vibes. Und das Ganze hat seinen ganz eigenen Sog – selbst Zuschauer wippen irgendwann mit den Stiefeln. In Marwitz war das nicht anders: Vom Teenie bis zur rüstigen Rentnerin tanzte hier alles mit, was ein Cowboy-Herz hat (oder eins bekommen will).
Natürlich gab es an dem Abend auch einen Live-Act: Ramona. Oder besser gesagt: Ramona – Queen of Music, Countrystimme aus der Lausitz mit genug Bühnenpower, um selbst den letzten Tanzmuffel hinter dem Mattenwagen hervorzulocken. Mit sechs Instrumenten und ihrer hellen, aber warmen Stimme, die zwischen weiter Prärie und Kneipenromantik pendelt, übernahm sie kurzerhand das Kommando im „Tanzsaloon“. Ihr charmanter Mix aus Eigenkompositionen und Klassikern, gepaart mit einer starken Präsenz, brachte Bewegung aufs Parkett. Keine Showeffekte, kein Plastikglanz – nur Stimme, Herz und ein bisschen Fernweh. Während die „Dance Bears“ und Fans synchron die Sohle qualmen ließen und in Formation übers Turnhallenparkett glitten, wurde klar: Diese Mischung aus Bodenständigkeit, Taktgefühl und echter Leidenschaft ist das Rezept für einen richtig guten Countryabend – und der Beweis, dass Country nicht nur in Nashville, sondern auch mitten in Brandenburg funktioniert.
Und Marwitz ist längst kein Einzelfall mehr: Rund 1.000 Vereine und Tanzgruppen in ganz Deutschland widmen sich inzwischen dem Line Dance sowie der Western- und Countrykultur – der Wilde Westen hat hierzulande vielleicht weniger Kakteen, dafür umso mehr Leidenschaft in Stiefeln und Jeans.
Fazit: Nach diesem Countryabend und all den Eindrücken bekommt man unweigerlich Lust, in die Cowboyboots zu schlüpfen und selbst einmal als Akteur auf der Tanzfläche zu stehen – einfach mittendrin statt nur dabei, im Takt der Musik und mit einem Hauch Prärie im Herzen.