Rund 21.000 Menschen, fünf Bühnen und ein ehemaliger Flughafen als Spielwiese: Die erste Ausgabe des TFELD hat Tempelhof für einen Tag und eine Nacht mit Rap, elektronischer Musik und Berliner Clubkultur gefüllt. Unter dem Motto „Das ist Berlin“ trafen auf dem historischen Gelände verschiedene Generationen und Szenen aufeinander. Das Line-up war entsprechend breit aufgestellt. Paul Kalkbrenner spielte sein Sunset-Set auf der Electro Mainstage, während Pashanim auf der Hip-Hop Mainstage sein Nummer-eins-Album „Lounge City“ erstmals live vor Publikum brachte. Dazu kamen Marlon Hoffstadt, Ellen Allien, Southstar und Hoe Mies auf der elektronischen Seite. Im Hip-Hop-Programm standen unter anderem AK Ausserkontrolle, Lacazette, Lucio, Nizi, Baby B3ns, Zackavelli und Ceren auf den Bühnen. Als Secret-Headlinerin trat Juju auf und spielte ihr neues Album erstmals live bei einem Festival. Das TFELD wollte dabei mehr sein als eine Ansammlung möglichst großer Namen. Hip-Hop, Techno, Straßenkultur und Berliner Stadtgeschichte wurden über das Gelände verteilt miteinander verzahnt. Bei rund 25 Grad funktionierte das offenbar auch abseits der Bühnen: Laut Veranstalter verlief das Festival mit seinen rund 21.000 Besucher friedlich. Nach dem Open-Air-Programm war zudem noch lange nicht Feierabend. Im Hangar ging es mit einer Watergate Afterparty bis in die frühen Morgenstunden weiter.
Einige der auffälligsten TFELD-Momente entstanden dort, wo Musik und das Bühnenbild tatsächlich miteinander interagierten. Während Southstars Auftritt auf der Electro Mainstage kam der Berliner Sprayer Artsy.030 auf die Bühne und bearbeitete live den dort aufgebauten U-Bahn-Wagen. Der stand nicht zufällig herum. Die Gestaltung der fünf Festivalbereiche griff gezielt Motive aus Berliner Musik-, Straßen- und Jugendkultur auf. Für die Hip-Hop Mainstage wurde beispielsweise die Ästhetik rund um das Kottbusser Tor nach Tempelhof übertragen. Dabei blieb es nicht bei einer hübschen Kulisse aus dem Requisitenlager: Satellitenschüsseln und sogar Blumenbeete aus dem Umfeld des Kottbusser Tors fanden ihren Weg auf das Festivalgelände, gestaltet und gepflegt von Sprayer aus Kreuzberg. Die Electro Mainstage arbeitete wiederum mit dem U-Bahn-Szenario und bezog Besucher direkt auf der Bühne ein. Zwischen den beiden großen Bereichen bekamen auch kleinere Szenen ihren Platz. Eine eigene Hip-Hop Underground Stage gehörte dem Berliner Rap-Untergrund. An anderer Stelle tauchte ein Stück deutscher Festivalgeschichte wieder auf: Die bekannte Autoscooter Stage des eingestellten MELT Festivals feierte als Rockstar Energy Autoscooter Stage ihr Comeback. Kuratiert wurde der Bereich gemeinsam mit dem Berliner Kollektiv Sesh United. Nach Angaben der Veranstalter blieb die Fläche über den gesamten Festivaltag gut gefüllt. Noch einmal anders funktionierte die Truck Area hosted by Lesbiens. In einem Doppeldecker-Truck spielten ausschließlich FLINTA*-Acts. Statt Rap und elektronische Musik lediglich auf getrennte Bühnen zu verteilen, entstanden damit mehrere Bereiche mit eigener kultureller Referenz.
Musikalisch lebte das TFELD vor allem von genau diesen Gegensätzen. Pashanim brachte „Lounge City“ zum ersten Mal als Live-Show auf die Bühne, Juju nutzte ihren unangekündigten Headliner-Auftritt für die Festivalpremiere ihres neuen Albums. Baby B3ns erhielt laut Veranstalter ebenfalls besonders großen Zuspruch. Gleichzeitig standen mit Ellen Allien und Paul Kalkbrenner Namen im Programm, die seit vielen Jahren mit der Berliner elektronischen Musikszene verbunden sind. Daneben spielten jüngere Acts wie Southstar und Marlon Hoffstadt. So entstand weniger ein streng nach Genres sortierter Festivaltag als eine Momentaufnahme verschiedener Berliner Musikszenen, auch wenn Rap und elektronische Musik die klaren Eckpunkte bildeten. Gerade Tempelhof war dafür ein ziemlich passender Schauplatz: viel Fläche, viel Berliner Geschichte und genügend Platz, um ein Kottbusser-Tor-Bühnenbild, einen U-Bahn-Wagen, einen Autoscooter und einen Doppeldecker-Truck unterzubringen, ohne dass es nach einem sehr seltsamen Verkehrsbetrieb aussieht. Den Schlusspunkt des Open-Air-Programms setzte Paul Kalkbrenner bei Sonnenuntergang vor einer laut Veranstalter vollständig gefüllten Electro Mainstage. Danach verlagerte sich das Geschehen zur Watergate Afterparty in den Hangar. Damit endete die erste TFELD-Ausgabe nicht mit dem letzten großen Festivalset, sondern dort, wo Berliner Nächte traditionell erst interessant werden: ein gutes Stück später.
TFELD Berlin: 21.000 feiern am Flughafen Tempelhof
Meldung vom 24.08.2026
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