Besonders deutlich wurde der Konflikt rund um Superstruct. Nachdem die Investmentfirma KKR den Konzern übernahm, reagierte ein Teil der Musikszene mit offenem Protest. Mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler boykottierten das Sónar-Festival. Die Auseinandersetzung macht sichtbar, wie schnell Eigentumsverhältnisse plötzlich zum Thema auf der Bühne beziehungsweise vor der Bühne werden können. Ein Festival ist eben nicht nur Programm, Gelände und Soundsystem. Dahinter stehen Beteiligungen, Kapital und wirtschaftliche Interessen. Für Acts kann deshalb relevant werden, wer an einer Veranstaltung verdient und welche Unternehmen über Beteiligungsketten mit dem jeweiligen Festival verbunden sind.
ARTE Tracks lässt dazu Menschen zu Wort kommen, die den Markt aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. DJ Aya spricht ebenso über die Entwicklung wie Michail Stangl, Kurator des CTM Festivals, und Erica Romero Pender vom europäischen Livemusik-Netzwerk Live DMA. Zur Debatte stehen Marktkonzentration und steigende Ticketpreise, aber auch eine grundsätzlichere Frage: Wem gehört Kultur, wenn Festivals, Clubs und Veranstaltungsstrukturen zunehmend Teil größerer Unternehmensnetzwerke werden? Die Doku schaut damit hinter Logos, Line-ups und Festivalplakate. Gerade bei Veranstaltungen, die ihren Ruf über Jahre oder Jahrzehnte innerhalb bestimmter Szenen aufgebaut haben, entsteht eine interessante Reibung zwischen kultureller Herkunft und heutigen Besitzstrukturen. Dass Namen wie Sónar oder Wacken längst in einem größeren wirtschaftlichen Geflecht auftauchen, dürfte schließlich nicht jedem bekannt sein, der am Einlass sein Bändchen bekommt.