Peter Schilling macht mit 70 das, was viele mit 30 nicht mal ansatzweise hinkriegen: Er bleibt kreativ, relevant – und dabei ganz klar er selbst. Während andere sich zum Geburtstag einen goldenen Rahmen für ihr Lebenswerk wünschen, haut Schilling lieber neue Musik raus. „Antistar“ heißt die Single, die passenderweise exakt zu seinem 70. erscheint und gleichzeitig den Start für sein gleichnamiges Album markiert. Statt also auf der „Major Tom“-Rakete in Endlosschleife durchs All zu kreiseln, steuert Peter Schilling jetzt mit frischem Sound und offenen Gedanken direkt in neue Klanggalaxien.
Musikalisch klingt „Antistar“ wie ein funky Gruß aus der Zukunft mit Wurzeln in den 80ern. Synthie-Vibes? Klar. Aber keine abgenudelte Retro-Nummer – das hier ist durchdacht, tanzbar und trotzdem kein Leichtgewicht. Schilling zeigt, dass man mit Groove auch Anspruch transportieren kann. Der Track schiebt ordentlich, wirkt aber nie angestrengt. Und inhaltlich? Wie immer bei ihm: nicht mit dem Holzhammer, sondern eher wie ein Gedankenrätsel mit Ohrwurm-Garantie. „Antistar“ erzählt keine klare Geschichte – und genau das macht den Reiz aus. Wer zuhört, darf selbst interpretieren. Happy End? Bad End? Vielleicht auch einfach nur echtes Leben.
Dass Schilling kein Bock auf reine Nostalgie hat, macht er deutlich: „Antistar“ schaut nach vorn – und zwar durch die Frontscheibe, nicht in den Rückspiegel. Der Mann, der mit „Major Tom“ längst Musikgeschichte geschrieben hat, zeigt, dass man auch mit 70 noch neugierig sein kann. Neugierig auf neue Sounds, neue Ideen und neue Gedanken. Und vielleicht ist genau das das Geheimnis seiner Langlebigkeit: Nicht stehen bleiben. Nicht zurücklehnen. Sondern immer wieder den nächsten Schritt machen – ganz ohne Kosmonautenanzug.