Manche Sportfilme erzählen vom Underdog, der sich mit Fleiß und Disziplin nach oben kämpft. "Marty Supreme" geht einen anderen Weg. Hier steht mit Marty Mauser ein Mann im Mittelpunkt, der bereits fest davon überzeugt ist, ein Star zu sein – auch wenn die Realität das nicht immer bestätigt. Der New Yorker Schuhverkäufer lebt für Tischtennis und träumt von nichts Geringerem als dem Weltmeistertitel. Als er bei einem wichtigen Turnier in London kurz vor dem großen Triumph steht und schließlich gegen Superstar Endo verliert, beginnt für ihn eine Reise voller Rückschläge, riskanter Entscheidungen und immer größerer Besessenheit. Der Film macht schnell deutlich, dass Marty nicht nur gegen Gegner antritt, sondern vor allem gegen seine eigenen Erwartungen und seinen unstillbaren Hunger nach Anerkennung.
Timothée Chalamet trägt den Film nahezu mühelos auf seinen Schultern. Seine Darstellung bewegt sich ständig zwischen Selbstüberschätzung, Charme und Verletzlichkeit. Mal wirkt Marty wie ein Träumer, der sich von niemandem aufhalten lässt, im nächsten Moment wie ein Mann, der sich in seinen eigenen Fantasien verliert. Gerade diese Widersprüche machen die Figur spannend. Regisseur Josh Safdie setzt dabei erneut auf sein bekanntes Stilmittel: hohe Intensität, schnelle Entwicklungen und Figuren, die permanent unter Druck stehen. Fans von seinen früheren Arbeiten werden sich sofort zurechtfinden. Die Kamera bleibt nah an den Charakteren, die Atmosphäre wirkt oft nervös und hektisch, wodurch selbst Tischtennisspiele eine überraschende Spannung entwickeln. Unterstützt wird Chalamet von einem starken Ensemble. Gwyneth Paltrow sorgt für einige der emotionalsten Szenen, während Odessa A’zion und Tyler Okonma, besser bekannt als Tyler, the Creator, interessante Akzente setzen und die Welt um Marty glaubwürdig erweitern.
Besonders gelungen ist die Art, wie "Marty Supreme" Erfolg und Ruhm hinterfragt. Der Film feiert seinen Hauptcharakter nie bedingungslos. Stattdessen zeigt er die Schattenseiten eines Menschen, der sich komplett über seinen Traum definiert. Je weiter Marty seinem Ziel hinterherjagt, desto deutlicher wird, wie hoch der Preis dafür sein kann. Gleichzeitig verliert die Geschichte nie ihren Humor. Viele Situationen sind skurril, manche Figuren bewusst exzentrisch, was dem Film eine ganz eigene Energie verleiht. Trotz der sportlichen Grundlage geht es hier weniger um Tischtennis als um Ehrgeiz, Selbstbild und die Frage, wie weit jemand für seinen Traum gehen würde. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Sportfilm, ein Charakterdrama und eine temporeiche Tragikomödie zugleich. "Marty Supreme" bietet starke Darsteller, viel Dynamik und eine Hauptfigur, die man nicht so schnell vergisst.
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