Manche kommen mit einer Axt, andere mit einem Plan. In Sisu – Road to Revenge bringt Jorma Tommila erneut diesen stoischen Typen auf die Leinwand, der aussieht, als hätte er schon drei Kriege überlebt – und noch Zeit für einen vierten. Der Mann, der nicht sterben will, kehrt an den Ort zurück, an dem seine Familie im Krieg ermordet wurde. Statt in Erinnerungen zu versinken, macht er kurzen Prozess: Haus auseinandernehmen, aufladen, abtransportieren. Klingt nach Heimwerker-Show mit Trauma-Background, ist aber die Ruhe vor dem Sturm. Denn sein Ziel ist klar – das Haus an einem sicheren Ort wieder aufbauen, als stilles Denkmal für das, was ihm genommen wurde.
Natürlich bleibt das nicht lange ungestört. Der verantwortliche Kommandant der Roten Armee taucht wieder auf, gespielt von Stephen Lang, bekannt aus Don’t Breathe. Sein Blick sagt: Ich bin hier, um das sauber zu Ende zu bringen. Was folgt, ist keine gemütliche Aufarbeitung, sondern eine Verfolgungsjagd quer durchs Land, die mehr Staub aufwirbelt als ein Panzerkonvoi. Trucks krachen durch Landschaften, Kugeln pfeifen, Explosionen setzen die Messlatte hoch. Der Film setzt erneut auf diese Mischung aus knallharter Action und fast schon stoischer Coolness seines Hauptcharakters. Worte sind Mangelware, Taten sprechen lauter – meistens mit ziemlich viel Wucht. Dabei wirkt jede Szene wie ein Test: Wie viel kann ein Mensch aushalten, bevor selbst Rache an ihre Grenzen stößt?
Was „Road to Revenge“ stark macht, ist die Konsequenz. Kein überflüssiger Schnickschnack, keine kitschigen Monologe. Stattdessen: präzise inszenierte Gewalt, clever gebaute Action-Momente und ein Held, der eher Naturgewalt als Mensch ist. Trotzdem schwingt unter all dem Krach eine tragische Note mit. Es geht nicht nur ums Zurückschlagen, sondern ums Erinnern, ums Festhalten an etwas, das längst zerstört wurde. Der Film zieht das Tempo ordentlich an und liefert Szenen, bei denen man sich kurz fragt, ob Physik hier Urlaub hat. Aber genau das ist Teil des Spiels. Wer schon den ersten Teil gefeiert hat, bekommt hier noch mehr Wucht, mehr Risiko, mehr Staub im Gesicht. Und alle anderen lernen schnell: Mit diesem Mann legt man sich besser nicht an.