Zwischen aufgerissenen Pizzakartons, halb ausgetrunkenen Kaffeebechern und dem flirrenden Blaulicht der Großstadt-Melancholie meldet sich Clueso mit einer neuen Single zurück, die ganz tief trifft – aber ohne Pathoskeule. „Immer wenn du nicht da bist“ ist kein dramatischer Liebesschwur, sondern eher ein stiller Hilferuf. Ein Lied für die, die tagsüber aufgeräumt wirken und nachts in Gedanken versinken, während sie durchs Instagram-Archiv scrollen und heimlich hoffen, dass jemand fragt: „Wie geht's dir eigentlich wirklich?“
Clueso bleibt dabei ganz er selbst: minimalistisch im Sound, maximal im Gefühl. Kein dick aufgetragenes Produzenten-Gewitter, sondern feinfühlige Beats, ein schwebender Synth und eine Stimme, die so klingt, als würde sie aus einem völlig übermüdeten Herzen kommen. Es geht um diese Art Einsamkeit, die sich nicht anfühlt wie ein leerer Raum, sondern wie ein Raum, der mal voller war. Und ja, auch ein bisschen um emotionale Abhängigkeit – das Ding, das man sich selbst mit einem „Ach, ich bin halt sensibel“ schönredet, während man eigentlich längst den Überblick verloren hat.
Dass das Ganze als weiterer Vorgeschmack auf das kommende Album „
Deja Vu 1/2“ (Release: 27. Februar) funktioniert, ist fast nebensächlich. Der Song steht für sich – ehrlich, roh und auf eine Weise nahbar, die in der aktuellen Deutschpop-Landschaft selten geworden ist. Kein überinszenierter Kitsch, keine Emo-Kalkulation. Einfach Clueso, wie er durch seine eigene Nacht tappt, uns mitnimmt und zeigt: Man muss nicht immer laut sein, um gehört zu werden.