Mit Lucy Kruger & The Lost Boys meldet sich eine Band zurück, die sich noch nie mit schnellen Antworten zufriedengegeben hat. Ihr siebtes Studioalbum Pale Bloom erscheint am 13. Februar 2026 bei Unique Records und markiert einen spürbaren Einschnitt im bisherigen Schaffen. Während frühere Veröffentlichungen oft unter einem gewissen zeitlichen Druck entstanden, ließ sich die Gruppe diesmal auffallend viel Raum. Dieser längere Atem ist hörbar – und spürbar. Pale Bloom wirkt wie ein sorgfältig geführtes Notizbuch, in dem Gedanken wachsen durften, statt nur festgehalten zu werden. Ganz nebenbei beweist die Band, dass Geduld in der Musik kein Luxus, sondern ein Werkzeug sein kann.
Im Zentrum des Albums steht eine Art selbst entworfener Schöpfungsmythos, der sich um die Figur Amber entfaltet. Diese Ursprungsgeschichte ist weniger linear als vielmehr ein Geflecht aus Andeutungen, Symbolen und offenen Fragen. Kruger blickt dabei weit zurück in ihre Kindheit und verwebt Erinnerungen an eine streng religiöse Erziehung mit Rhythmen und Erzählmustern, die fast liturgisch anmuten. Die Songs kreisen um das Gefühl, Wachstum zu imitieren, ohne den eigentlichen Prozess verstanden zu haben – ein Gedanke, der zugleich melancholisch und erstaunlich nüchtern daherkommt. Statt Abrechnung gibt es Reflexion, statt Pathos leise Irritation. Pale Bloom stellt keine Thesen auf, sondern lädt zum Mitdenken ein, manchmal auch zum leichten Stirnrunzeln.
Musikalisch zeigt sich die Band so detailverliebt wie selten zuvor. Die Instrumentierung ist üppig, aber nie überladen. Streicher schimmern dunkler, fast erdig, während Gitarren sich in weitläufigen Klangräumen entfalten, die eher atmen als drängen. Darüber liegt Krugers Stimme, kraftvoll und zugleich erstaunlich beweglich, wenn es darum geht, Sehnsucht, Trauer und ein leises Verlangen hörbar zu machen. Nichts wirkt beiläufig, aber auch nichts verkopft. Pale Bloom ist ein Album, das sich Zeit nimmt und genau das auch vom Publikum erwartet. Wer bereit ist, genauer hinzuhören, wird mit Songs belohnt, die nachwirken – wie eine Ernte, deren Geschmack man erst später richtig einordnen kann.