Cover: Sido - ISSA
7/8
mix1 Bewertung
Single

ISSA

Sido

Label: Universal Music
Kategorie: Rap / Hip Hop | Rap national
Veröffentlichung: 21.08.2026

Sido blickt mit „ISSA“ zurück und nach vorn

Sido beginnt das Kapitel seines zehnten Studioalbums „Frieden“ mit einem ziemlich ausführlichen Blick in den Rückspiegel. Die erste Single „ISSA“ beschäftigt sich mit seiner eigenen Geschichte: Jugend, Geld, Erfolg, Familie und die Frage, wie sein Alltag heute aussieht. Mehr als 25 Jahre deutscher Rap liefern dafür naturgemäß einiges an Material. Statt daraus eine reine Karrierechronik zu bauen, stellt Paul Würdig frühere Lebensumstände in Berlin seiner heutigen Situation gegenüber. Im wiederkehrenden Refrain beschreibt er sich unter anderem als zufrieden und als Berliner. Gerade dieser Gegensatz bildet den Kern des Stücks. Hier das frühere Leben, dort die Gegenwart eines Rappers, dessen Biografie inzwischen mehrere Generationen deutscher Hip-Hop-Hörer begleitet. Dass „ISSA“ auf „Frieden“ als letzter Track vorgesehen ist, gibt dem Stück innerhalb der bekannten Albumplanung eine besondere Position. Die erste ausgekoppelte Nummer wäre damit gleichzeitig der Schlusspunkt der Platte. Eine hübsche kleine dramaturgische Schleife, sofern die angekündigte Reihenfolge so bestehen bleibt. Der Albumtitel passt ebenfalls zum Thema des Songs: Sido beschäftigt sich nicht nur damit, wo er herkommt, sondern auch damit, wo er inzwischen angekommen ist. Große Selbstmythologisierung braucht es dafür nicht. Die Fakten seiner Laufbahn bringen ohnehin genügend Strecke mit.

Musikalisch schaut „ISSA“ ebenfalls in Richtung Vergangenheit. Ersten Berichten zufolge greift der Song Elemente klassischer Hip-Hop-Beats auf, die an frühere Phasen von Sidos Karriere erinnern. Gleichzeitig fällt die Nummer ruhiger und nachdenklicher aus. Das passt zur biografischen Bestandsaufnahme, ohne dass der Song deshalb seine Rap-Wurzeln gegen großes Pathos eintauschen müsste. Interessant sind auch die Angaben hinter den Kulissen. Als Autoren werden Sido, bürgerlich Paul Würdig, und Yanek Stärk geführt; beide tauchen ebenfalls bei der Musik auf. Bei der Produktion gibt es je nach Quelle unterschiedliche beziehungsweise ergänzende Angaben: Eine weitere Quelle nennt Sido gemeinsam mit KENAY. Mehr technische Details zur Produktion liegen in der Vorlage nicht vor, entsprechend wäre alles über konkrete Samples, Geräte oder Studiotechnik Spekulation. Auffällig klar ist dagegen die Verbindung von Inhalt und musikalischer Richtung. Wer über Jugend, Karriere, Geld und Familie spricht, während ältere Hip-Hop-Bezüge im Beat anklingen, muss seine Vergangenheit nicht erst umständlich erklären. Sie steckt bereits im musikalischen Rahmen. Trotzdem bleibt „ISSA“ keine bloße Retro-Nummer. Der ruhigere Ansatz verschiebt den Fokus weg von der reinen Erinnerung und hin zur heutigen Perspektive. Sido erzählt also nicht nur von früher. Er vergleicht. Und nach einem Vierteljahrhundert im Geschäft fällt diese Gegenüberstellung zwangsläufig etwas umfangreicher aus als ein Blick ins alte Fotoalbum.

Noch deutlicher wird der Rückgriff auf die eigene Geschichte beim visuellen Auftritt. Die Totenkopfmaske ist wieder da – allerdings nicht als exakte Kopie des alten Modells. Für „ISSA“ trägt Sido eine milchig-transparente Variante mit runden Augenöffnungen. Ihre Form orientiert sich an der früheren Maske, gleichzeitig bleibt das Gesicht teilweise sichtbar. Im Teaser zum Musikvideo lässt sich dieses neue Modell bereits erkennen. Das Detail ist für Sidos Bildsprache kaum nebensächlich: Die Maske gehörte über Jahre zu seinen bekanntesten Erkennungszeichen und wird nun verändert aufgegriffen, statt einfach aus dem Archiv geholt zu werden. Damit passt sie ziemlich genau zum Grundgedanken des Songs. Vergangenheit bleibt sichtbar, Gegenwart allerdings auch – in diesem Fall sogar wortwörtlich durch das Material der Maske. „ISSA“ eröffnet damit die Albumphase zu „Frieden“, während der Song auf der Platte selbst für das Ende vorgesehen ist. Inhaltlich kreisen beide Titel um Sidos heutige Position und den Blick auf das, was davor lag. Das kommende Werk wird sein zehntes Studioalbum. Nach mehr als 25 Jahren im deutschen Rap ist die Ausgangslage entsprechend konkret: Ein Künstler betrachtet Jugend, Berliner Alltag, finanziellen Erfolg und Familie aus einer Lebensphase, in der all diese Punkte längst eine andere Bedeutung haben als zu Beginn seiner Karriere. „ISSA“ funktioniert innerhalb dieser Albumidee als persönliche Bilanz, ohne dass dafür ein künstlicher Schlussstrich gezogen werden muss. Und die transparente Totenkopfmaske? Die dürfte zumindest verhindern, dass irgendjemand lange rätseln muss, welche Karrierephase hier bewusst zitiert wird.

Dieses Produkt ist in den aktuellen Charts platziert:

Single „ISSA“ von Sido konnte sich einmal in KW 35/2026 platzieren.

Anzeige

Musik-Newsletter