„Nicht gut für mich“ klang zunächst anders. Tiemo Hauer hatte den Song als Stück mit Achtziger-Pop-Anklängen angelegt. „Da klang er leichter“, erzählt er über diese frühe Fassung. Doch damit war die Arbeit nicht abgeschlossen. Der Titel durchlief mehrere Veränderungen, bevor Hauer ihn mit etwas Abstand erneut aufgriff. Bei dieser Rückkehr zum eigenen Material passte die frühere Leichtigkeit für ihn nicht mehr. Die neue Fassung folgt einer anderen Stimmung: Dunkle Synthesizer begleiten einen Text über den Kampf gegen sich selbst. Hauer beschreibt darin einen inneren Krieg, den er nicht gewinnen kann.
Der Song gehört zu den wenigen Stücken seines neuen Repertoires, die bereits vor der späteren intensiven Schreibphase entstanden waren. Viele andere Lieder schrieb Hauer innerhalb weniger Wochen, während er depressive Episoden und Angstzustände erlebte. Mit zeitlichem Abstand erkennt er in diesen Texten inzwischen Gedanken, die ihm beim Schreiben noch nicht vollständig bewusst waren. „Bei manchen Texten verstehe ich erst jetzt, was ich mir selbst schon damals sagen wollte“, erklärt er. Der Song hat dagegen eine längere Entstehungsgeschichte. Seine Überarbeitung zeigt konkret, wie sich Hauers Blick auf ein bereits geschriebenes Lied verändert hat. Aus der zunächst leichteren Popfassung wurde ein Stück, dessen Musik der beschriebenen Auseinandersetzung mehr Gewicht gibt.
Im Verlauf bleibt der Track jedoch nicht bei dieser Ausgangslage. Gegen Ende bricht der Song aus und nimmt eine hymnische Form an. Die Musik führt von der geschilderten Einsamkeit zu einem Gefühl von Gemeinschaft. Dieser Wechsel gehört zum Aufbau des Stücks: Auf die dunklen Synthesizer und den inneren Konflikt folgt eine Öffnung im Schlussabschnitt. Der Text erzählt vom Gegeneinander im eigenen Kopf, während die musikalische Entwicklung schließlich einen Ausweg andeutet. „Nicht gut für mich“ gehört zu Hauers neuem Album „
Die Kunst des Verschwindens“.