Fast fünf Jahrzehnte Yello hinterlassen einiges an Material. Für „Time Lab“, das fünfzehnte Studioalbum von Dieter Meier und Boris Blank, wird dieses Archiv nun selbst zum Instrument. Blank kombiniert frische Samples mit Klangfragmenten, Riffs und Motiven aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte. Seine Arbeitsweise ähnelt dabei einer Montage: Vorhandene Bausteine landen in neuen Zusammenhängen, werden ergänzt, zerlegt und wieder zusammengesetzt. Passend dazu lautet die Maxime des Albums „To the future, through the past“. Meier bewegt sich durch diese Konstruktionen mit seinen Räubergeschichten, Nachtgestalten und dadaistischen Wortspielen.
Wie weit dieses Prinzip zurückreichen kann, demonstriert „Around the Sun“. Grundlage der ersten Single ist eine alte Aufnahme von Meier, die ursprünglich für „Claro Que Si“ vorgesehen war, letztlich jedoch nicht auf dem Album landete. Jahrzehnte später holte Blank die Aufnahme aus dem Archiv und baute um Meiers Stimme ein neues Arrangement. Treibende Perkussion trifft dabei auf die deutlich ältere Gesangsspur. Aus einem damals aussortierten Stück Material wird so keine bloße Archivverwertung, sondern ein Song, dessen Bestandteile aus weit auseinanderliegenden Arbeitsphasen von Yello stammen.
Auch „Break Out“ greift tief in die musikalische Werkzeugkiste des Duos. Das Bass-Riff und die Perkussion erinnern bewusst an Elemente aus frühen Yello-Tagen, während Meier wieder in seine Rolle als eigenwilliger Erzähler schlüpft. „Time Lab“ basiert damit auf einer Arbeitsmethode, die bei diesem Duo ziemlich naheliegt: Warum ein Archiv voller Ideen verstauben lassen, wenn man es auseinandernehmen und neu sortieren kann? Boris Blank fasst den Gedanken noch knapper: „Die Musik von Yello kennt nicht wirklich die Zeit.“ Bei einem Album, das alte Stimmen, gespeicherte Fragmente und neue Produktionen direkt miteinander verzahnt, ist das weniger Philosophie als ziemlich genaue Produktionsbeschreibung.