Wenn Worte plötzlich zu viel werden und Emotionen mit voller Wucht durchbrechen, dann klingt das in etwa wie „Wake Up!“ von Middlefield. Der Song ist keine einfache Indie-Nummer zum Nebenbei-Hören – er ist ein Ausbruch. Kompromisslos, drängend, fast schon unangenehm ehrlich. Statt klarer Strukturen gibt’s hier einen inneren Monolog auf Speed, irgendwo zwischen Selbstzweifeln, Wut und einer gehörigen Portion „Ich kann das alles nicht mehr runterschlucken!“. So roh, dass man sich fast selbst erwischt, wie man kurz die Luft anhält.
Middlefield bauen keine klassischen Spannungsbögen – sie lassen die Tür direkt eintreten. „Wake Up!“ klingt wie ein Moment, in dem alles raus muss: die Frustration, die Projektionen, das Verdrängte. Die Gitarren brennen, der Gesang kratzt an der eigenen Zurechnungsfähigkeit, und man weiß nie, ob das jetzt noch ein Song oder schon ein Hilfeschrei ist. Dabei wirkt nichts davon überinszeniert. Alles fühlt sich an, als wäre es genau in dem Moment aufgenommen worden, als die Kontrolle flöten ging – und genau das macht den Song so intensiv.
Dass Middlefield dieses Chaos auch live auf die Bühne bringt, ist kein Geheimnis mehr. Spätestens seit sie auf der BBC Introducing Stage beim Glastonbury Festival 2024 standen, ist klar: Diese Band meint es ernst. Beim Reeperbahn Festival 2025 wurde’s schweißtreibend eng, in Montreux hat man sie vermutlich immer noch nicht ganz vergessen. Wer Middlefield live erlebt hat, weiß: Diese Energie ist kein Studio-Produkt, sondern ein echtes Brett, das dir direkt ins Hirn knallt. Und „Wake Up!“ ist ihr bisher lautester Weckruf.