Nicht jeder Song, den ein Musiker schreibt, schafft es auf ein Album. Manche Stücke verschwinden in Schubladen, andere bleiben über Jahre hinweg unvollendet oder unveröffentlicht. Bei Asaf Avidan haben einige dieser Kompositionen allerdings nie aufgehört, ihn zu beschäftigen. Mit „Lost Ballads Part I“ veröffentlicht der israelische Singer-Songwriter nun vier Titel, die im Laufe des vergangenen Jahrzehnts entstanden sind und bislang auf ihre Veröffentlichung warteten. Das Projekt bildet einen bewussten Gegenpol zu seinem Album „UNFURL“. Während dieses musikalisch deutlich aufwendiger angelegt ist, konzentriert sich Avidan bei den „Lost Ballads“ auf die wesentlichen Bestandteile seiner Musik: Gesang, Melodien und Texte. Die Lieder bekommen damit einen eigenen Platz, ohne sich einem größeren Albumkonzept unterordnen zu müssen.
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Entstanden sind die Aufnahmen im französischen Studio Miraval, unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten an „UNFURL“. Innerhalb von etwa drei Tagen spielte Avidan das Material mit derselben Musikerbesetzung ein, die auch bei „Summer Rain“ beteiligt war. Für den Künstler hatte das zusätzliche Projekt eine besondere Funktion. Während ihn „UNFURL“ musikalisch aus seiner gewohnten Umgebung herausführte, boten ihm die „Lost Ballads“ einen vertrauten Gegenpol. Er beschreibt diesen Gedanken mit einem Bild aus der griechischen Mythologie: Das große Album war für ihn das Labyrinth, die Sammlung älterer Songs der rettende Wollfaden, an dem er sich orientieren konnte. Beide Projekte unterscheiden sich in ihrem Anspruch, gehören für Avidan aber untrennbar zu seiner künstlerischen Persönlichkeit.
Die Veröffentlichung erfolgt in zwei eigenständigen EPs mit jeweils vier Titeln. Den Anfang macht „Lost Ballads Part I“, während die zweite Ausgabe die Sammlung später vervollständigen soll. Mit „Summer Rain“ ist bereits eine Single digital erhältlich, die einen ersten Einblick in das Projekt ermöglicht. Besonders interessant ist die Entstehungsgeschichte der Stücke: Sie wurden nicht eigens für eine neue Veröffentlichung geschrieben, sondern haben sich über mehrere Jahre im persönlichen Repertoire des Musikers gehalten. Während andere Ideen mit der Zeit verblassten, blieben diese Kompositionen für Avidan relevant. „Lost Ballads“ dokumentiert deshalb nicht nur eine weitere Studioarbeit, sondern auch einen Teil seines bisherigen Songwritings, der dem Publikum lange verborgen geblieben ist.